NAS im Eigenbau – Softwareüberblick

Nachdem die Hardware nun einsatzbereit ist, stellt sich die Frage, welche Software man installieren sollte. Gleich vorweg: das lässt sich pauschal nicht beantworten, es gibt dabei kein „richtig“ oder „falsch“. Es kommt ganz klar auf den persönlichen Einsatzzweck an. Ich werde in diesem Beitrag ganz kurz die Lösungen vorstellen, die ich mir angesehen habe und versuchen, Vor- und Nachteile herauszustellen. Diese Liste hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur meine persönlichen Anforderungen widerspiegeln.

FreeNAS

Eigentlich der Platzhirsch unter den Softwarelösungen. SMB, AFP, NFS, Plugins, Backup alles kein Problem. ZFS als Dateisystem ermöglicht Snapshots und bietet, passende Hardware vorausgesetzt, Mechanismen gegen Datenkorruption. Kurz und knapp: Hat alles, kann alles. Und genau das ist das Problem. Ein unübersichtlicheres Webinterface habe ich noch nicht gesehen. Mir war es ohne Anleitung nicht möglich, eine SMB-Freigabe für verschiedene Windows-Benutzer zu erstellen. Ich weiß, dass das funktioniert, aber ich habe irgendwann frustriert aufgegeben, weil die Schritte zu einem funktionierenden Ergebnis einfach viel zu kompliziert waren. Das mag an mir liegen, andere haben da sicher bessere Erfahrungen gemacht, aber es ist für mich einfach nicht intuitiv. Man kann sicher jeden erdenklichen Anwendungsfall mit FreeNAS erschlagen, aber das brauche ich zu Hause einfach nicht. Um noch eine Lanze für FreeNAS 9.3 zu brechen: Mit Version 10 soll das alles übersichtlicher werden. Habe das neue Webinterface in einer Alpha gesehen, da liegen in der Tat Welten zwischen der aktuellen Version. Ich werde das also für die Zukunft auf jeden Fall im Blick behalten. So leid mir das tut, noch schlimmer kann es auch gar nicht mehr werden…

Openmediavault (OMV)

Gefällt mir gut, denn es basiert auf dem wirklich stabilen Debian Linux. Die Oberfläche wirkt aufgeräumter, alles ist logisch angeordnet und leicht zu finden. Es gibt viele Plugins, die den von Haus aus großen Funktionsumfang nochmals erweitern. Die Einrichtung ist wirklich simpel und man kommt schnell zu einem lauffähigen Ergebnis. Eigentlich genau das, was man sich für den Heimeinsatz wünscht. Aktuell ist die Version 2.2, wobei Version 3 schon als Beta in den Startlöchern steht. Der Vorteil des stabilen Dabian-Unterbaus ist zugleich aber auch ein Nachteil. Es gibt „nur“ EXT4 als Dateisystem zur Auswahl, ZFS kann nur kompliziert als Plugin nachgereicht werden. Damit fällt ab Werk zumindest die Möglichkeit der Snapshots weg. Schade. Ob sich das mit OMV 3 ändern wird, ist zur Zeit noch nicht ganz klar. Wünschenswert wäre das auf jeden Fall. Ob EXT4 tatsächlich ein Nachteil ist, muss aber jeder selbst entscheiden. Es ist „bewährte Kost“, stabil und wird seit Jahren im Produktiveinsatz verwendet. Außerdem ist mit rsnapshot ein Plugin vorhanden, was die Snapshot-Funktion auch bei EXT4 nachrüstet. Ich habe damit aber keine Erfahrungen sammeln können. Positiv hervorzuheben ist das Forum von OMV. Dort bekommt man schnell und unkompliziert Hilfe, sollte mal ein Problem auftauchen. Ich bin zwar nur Leser, finde den umgang mit den Nutzern dort aber sehr angenehm.

Rockstor

Ein noch junger Stern am Himmel der NAS-Software. Basiert aktuell auf CentOS 7 und hat damit auch eine sehr stabile Basis. Allerdings werden aktuelle Kernel-Versionen bereitgestellt, um von den Patches und Verbesserungen für das btrfs-Dateisystem zu profitieren, welches die Basis des System darstellt. Btrfs ist mehr oder weniger die Linux-Version von ZFS plus ein paar Verbesserungen. Viele Features, die ZFS unter Solaris und BSD bereitstellt, sind inzwischen auch in btrfs integriert. Btrfs hat momentan noch den Ruf, bei RAID5 und RAID6 noch nicht so zuverlässig zu sein, wie die bekannten Kollegen es sind. Ich vermag das nicht zu beurteilen, da ich bei meinem Setup auf ein RAID10 setze, aber bitte dennoch darum, dies bei eigenen Überlegungen zu berücksichtigen. Meiner Meinung nach beschränkt sich Rockstor auf das Wesentliche, nämlich die Datenhaltung und das Bereitstellen von Freigaben im Netzwerk. Es werden zwar auch Plugins, sogenannte Rock-ons unterstützt, aber die habe ich bisher nicht ausprobiert. Wie bereits erwähnt, setze ich auf ein RAID10-Setup mit 4 Festplatten, welches problemlos mit Rockstor erstellt werden konnte. Schnell noch eine SMB-Freigabe erstellt, 2 Benutzer angelegt und fertig war die Einrichtung. Alles in allem ein einfacher Prozess, eigentlich in allen Teilen selbsterklärend. Via cron lassen sich im Webinterface die Intervalle für das Erstellen von Snapshots konfigurieren und z.B. auch die Alarmierung via E-Mail kann aktiviert werden. Auch das Support-Forum ist super, die Entwickler stehen dort persönlich bei Fragen zur Verfügung.

Wo Licht ist, ist meistens auch Schatten. Das ist auch bei Rockstor der Fall: da die Software noch relativ jung ist, gibt es sehr viele Updates. Dabei wird zwischen Testing und Stable unterschieden. Der Stable-Zweig lässt sich nur gegen eine Jahresgebühr nutzen, Testing steht für alle kostenfrei zur Verfügung, mit dem Risiko, dass ein Update mal die ein oder andere Funktion außer Kraft setzt. Das wird zwar zeitnah behoben, ist aber für produktive Systeme eher ungeeignet. Dennoch setze ich Rockstor mit den Stable Updates für meinen NAS-Eigenbau ein. Die Features und die Beschränkung auf das Wesentliche passen dabei genau in meinen Anforderungsbereich. Ich brauche die ganzen Plugins nicht wirklich, ich brauche einfache Dateifreigabe und Performance. Und das wird in jedem Fall von Rockstor erfüllt. Ich kann daher nur raten, einen Blick auf Rockstor zu werfen.

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